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Simbabwe/Aids/Altern/KORR: Wenn Opa und Oma die Eltern ersetzen - In Simbabwe kümmern sich viele Alte um Aids-Waisen


Agence France-Presse - April 15, 2002
Susan Njanji


Harare, 15. April (AFP) - In Simbabwe ist Älterwerden selten gleichbedeutend mit Ruhestand. Immer weniger Alten ist es vergönnt, sich zur Ruhe zu setzen und den Lebensabend zu genießen, weil sie stattdessen ihre Aids-kranken Kinder pflegen oder den Enkeln die Eltern ersetzen müssen. In Simbabwe sterben jede Woche 2000 Menschen an Aids. Jeder vierte Erwachsene trägt das tödliche Virus in sich.

Es sind vor allem die 20- bis 49-Jährigen, die an Aids sterben - und eben oft auch Kinder haben. Die Zahl der Aids-Waisen wird auf eine Million geschätzt, das südafrikanische Land hat nur elf Millionen Einwohner. Für viele der Aids-Waisen springen Oma oder Opa als Eltern ein. Die verwaisten Enkelkinder stellen das Leben der Großeltern auf den Kopf, die nun plötzlich gezwungen sind, wieder in die Elternrolle zu schlüpfen.

Dazu gehört auch, wieder eine Familie ernähren zu müssen, den Kindern eine gesicherte Zukunft zu bieten. Das trifft die Altersgruppe besonders hart, die sich traditionell auf die Unterstützung ihrer erwachsenen Kinder verlassen darf. Nun muss sich ein älterer Simbabwer um durchschnittlich zehn Waisenkinder kümmern, wie neueste Studien vorrechnen. Im Jahr 1997 stand schon fast jedem fünften Haushalt in Simbabwe ein über 59-Jähriger vor.

Simbabwe gehört zu den Ländern, die von Aids am schwersten betroffen sind. Das tödliche Virus wird das Bevölkerungswachstum in diesem Jahr auf Null drücken. Prognosen sehen die Lebenserwartung von 66 Jahren im Jahr 1997 bis zum Jahr 2010 auf 35 Jahre absinken. Aids beeinträchtigt auch das Wirtschaftswachstum: Die vielen Krankheits- und Todesfälle verringern die Zahl der Haushalte und reduzieren das nationale Einkommen, gleichzeitig schießen die medizinischen Kosten in die Höhe. Auch die Landwirtschaft ist betroffen und mit ihr steht die Versorgung der Bevölkerung auf dem Spiel.

Die Großeltern übernehmen nicht nur die Betreuung ihrer Enkel, sie pflegen auch ihre Aids-kranken Kinder. Da das Gesundheitssystem überfordert ist und 75 Prozent der Simbabwer in bitterer Armut leben, bleibt die Pflege der Kranken häufig an den alternden Eltern hängen, heißt es in einem Papier der Regierung. Die verausgaben sich auch finanziell, weil sie teure Medikamente kaufen müssen.

Zugleich besteht für die Eltern die Gefahr, sich selbst mit dem Virus zu infizieren. Denn häufig sind sie über die Risiken im Umgang mit Aids-Kranken nicht informiert, kennen sich in der Pflege nicht aus. Für die Nicht-Regierungsorganisation HelpAge ist das kein Wunder: Schließlich seien die Informationskampagnen über Aids auf eine junge Zielgruppe zugeschnitten. Die Alten blieben uninformiert.

Aber nicht nur mit der Pflege, sondern auch später mit den verwaisten Enkeln sind die Großeltern oftmals überfordert. "Es ist eine schwere Belastung für die Alten", sagt Douglas Mhizha von der Organisation HelpAge, die sich mit dem Problem beschäftigt. Neben der körperlichen und finanziellen Belastung spricht Mhizha auch die psychologischen Folgen an: Die Alten müssen mit Kindern fertig werden, die den Tod ihrer Eltern verkraften mussten und nun in neue Lebensumstände gezwungen werden.

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