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D/Gesundheit/Aids/Forschung/KORR: Aids-Impfstoff ist die große Hoffnung: Immunschwäche in Entwicklungsländern außer Kontrolle - Forscher seit zehn Jahren intensiv am Werk

Agence France-Presse - November 30, 2001
Sabine Moser

Berlin, 30. November (AFP) - Jede Minute stecken sich weltweit zehn Menschen mit dem Aids-Virus an. Mit Aufklärung und der Behandlung von Infizierten ist die Epidemie in vielen armen Ländern nicht mehr in den Griff zu bekommen. Neben der Suche nach besseren Therapien sei deshalb die Entwicklung eines wirksamen und einfach zu verabreichenden Impfstoffs die größte wissenschaftliche Herausforderung, sagt Ulrich Marcus vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. Die Deutsche Aids-Stiftung stellt zum diesjährigen Welt-Aids-Tag am Samstag die Prognose, dass ein Impfstoff in einigen Jahren einsatzbereit sein wird.

Weltweit leben nach neuesten Zahlen der UN-Organisation UNAIDS etwa 40 Millionen HIV-Infizierte, 70 Prozent davon in Afrika. Dass bei einer solchen Verbreitung nur eine groß angelegte Impfung Hoffnung verspricht, davon ist auch der Impfstoffberater der Deutschen Aids-Stiftung, Matthias Wienold, überzeugt. Zwar seien Patienten in westlichen Industrieländern in der "glücklichen Lage", den Ausbruch von Aids mit dem Einsatz von Medikamenten zu verzögern. In den armen Regionen der Welt, vor allem in den Ländern südlich der Sahara, habe sich die Krankheit jedoch in einem Maße verbreitet, die vor fünf Jahren noch nicht absehbar gewesen sei.

Seit zehn Jahren wird intensiv nach einem Impfstoff gegen das HI-Virus geforscht, das deshalb so tückisch ist, weil es sich ständig verwandelt. Im Mittelpunkt stehen Wirkstoffe, die die zellulare Immunantwort - also die Feindabwehr in der Zelle - stimulieren. Das körpereigene Abwehrsystem wird dabei auf jene Bestandteile des Virus angesetzt, die sich nicht so leicht verändern können. Etwa "eine Hand voll" Wirkstoffe werde zur Zeit in klinischen Studien an HIV-infizierten Menschen getestet, berichtet Marcus. In Oxford und Nairobi entwickelten englische und kenianische Wissenschaftler den Kombinationsimpfstoff MVA-DNA, der speziell gegen den in Kenia am häufigsten vorkommenden Virustyp eingesetzt werden.

An Kliniken in München und Erlangen wird seit Anfang November eine immun-stimulierende Therapie getestet. In klinischen Studien wird an HIV-positiven Patienten ein so genannter Vektor-Impfstoff erprobt, der eine Immunreaktion gegen das HIV-Protein Nef hervorrufen soll. In harmlose Viren wird dafür der Bauplan für das HIV-Protein eingeschleust, wie Professor Volker Erfle, Direktor des Instituts für Molekulare Virologie am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit, erläutert.

Die Forscher wollen das Virus quasi mit seinen eigenen Waffen schlagen: Die präparierten Vektoren werden den Patienten geimpft, befallen Körperzellen und regen diese zur Bildung von Nef-Proteinen an. Der Körper, so das Kalkül der Wissenschaftler, antwortet mit einer Immunreaktion gegen Nef. Das Protein soll so stark zurückgedrängt werden, dass es seine eigentliche Funktion als Leibwächter von HIV-infizierten Zellen nicht mehr ausüben kann.

Weltweit arbeiten die Wissenschaftler mit Hochdruck an einer zweiten Front, nämlich der Entwicklung neuer therapeutischer Mittel gegen die Immunschwäche. Derzeit gibt es nach Auskunft des Robert-Koch-Instituts etwa 15 Substanzen, die zur Behandlung von HIV-Patienten zugelassen sind. Anfang Juni stellte die Universität Genf einen neuen Wirkstoff gegen das HI-Virus vor. Das Molekül mit der Bezeichnung NU 1320 soll zwei Millionen mal wirkungsvoller sein als der weit verbreitete HIV-Hemmstoff AZT.

Nach den Erkenntnissen des Genfer Pharmakologen Jean Trochet hindert der neue Wirkstoff das Aids-Virus daran, sein Erbgut im Zellkern der angegriffenen Lymphozyten zu deponieren. So kann diese Abwehrzelle von dem Erreger auch nicht in eine HIV-Fabrik umprogrammiert werden. Noch hat NU 1320 allerdings eine ganze Reihe von Tests zu bestehen. Doch schon jetzt ruhen auf ihm die Hoffnungen vieler Patienten, die mit einem resistenten Virustyp infiziert und deshalb "austherapiert" sind.

Die International Aids Vaccine Initiative im Internet unter www.iavi.org

Der Bereich HIV/Aids des Robert-Koch-Institutes unter www.rki.de/INFEKT/AIDS_STD/AZ.HTM

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