Berlin, 29. November (AFP) - Für das Jahr 2001 rechnet das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) mit insgesamt 2000 neuen HIV-Infektionen in Deutschland. Wie das Institut am Donnerstag im Vorfeld des Welt-Aids-Tages mitteilte, wird die Zahl der bereits infizierten Menschen, bei denen die Immunschwächekrankheit in diesem Jahr ausgebrochen ist, auf 700 geschätzt. Die für die Überwachung der HIV-Verbreitung zuständige Behörde sieht zwar keine "dramatischen Veränderungen" im Vergleich zu den Vorjahren. Es gebe jedoch Anzeichen dafür, dass die Zahlen wieder ansteigen könnten. "Aids ist noch nicht erledigt", erklärte RKI-Präsident Reinhard Kurth.
Als Indiz für eine zunehmende Verdrängung des Themas nannte Kurth ein verändertes sexuelles Risikoverhalten, das sich in der Zunahme sexuell übertragbarer Infektionen spiegele. Zudem würden Personal und finanzielle Mittel für Aids-Beratungsstellen und andere Präventionsmaßnahmen zum Teil gekürzt. Insgesamt leben in der Bundesrepublik laut RKI derzeit rund 38.000 Menschen mit einer HIV-Infektion beziehungsweise Aids.
Aus Anlass des Welt-Aids-Tages am Samstag übergab die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterdessen 12.000 Unterschriften an Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD). In dem Appell wird die Bundesregierung aufgefordert, sich dafür einzusetzen, dass Menschen weltweit Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten erhalten. Weltweit müssten die Regierungen ihren Bekenntnissen zur Bekämpfung von Aids in ärmeren Ländern endlich Taten folgen lassen.
In einer Erklärung verwies die Hilfsorganisation darauf, sie habe mit Pilotprojekten in acht Ländern gezeigt, dass eine Therapie mit dem so genannten Aids-Cocktail auch in ärmeren Ländern möglich ist. Nachdem die Medikamentenpreise gefallen seien, müssten jetzt die Regierungen handeln: Die Entwicklungsländer sollten eine "Vorreiterrolle" übernehmen, die Geberländer die notwendigen Finanzmittel bereitstellen.
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