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UNO/Gesundheit/Aids: Dramatischer Anstieg der Aids-Infektionen weltweit - UNAIDS: Zahl der Infizierten steigt 2001 auf 40 Millionen

Agence France-Presse - November 28, 2001


Paris/Genf, 28. November (AFP) - Die tödliche Immunschwächekrankheit Aids breitet sich weltweit dramatisch aus. Trotz zahlreicher Bekämpfungsprogramme sind in diesem Jahr fünf Millionen Menschen von einer Neu-Infektion mit dem HI-Virus betroffen, wie die in Genf ansässige UN-Organisation UNAIDS in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht schätzt. Die Gesamtzahl der Infizierten steigt demnach in 2001 auf 40 Millionen an. Allein in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara leben dem Bericht zufolge inzwischen 28,1 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Die höchsten Zuwachsraten werden in Osteuropa und Zentralasien verzeichnet: Dort werde die Zahl der Infizierten in diesem Jahr um ein Drittel auf mehr als eine Million ansteigen. 20 Millionen Menschen sind seit dem Ausbruch der Aids-Epidemie vor 20 Jahren an dem Virus gestorben, drei Millionen Todesopfer sind es laut UNAIDS in diesem Jahr.

UNAIDS warnte die reichen Länder davor, die Vorbeugung zu vernachlässigen. "In den Industriestaaten setzt man zu sehr auf die medizinische Behandlung, und nun sehen wir die Konsequenzen: Die Zahl der Infizierten steigt weiter", sagte UNAIDS-Direktor Peter Piot der Nachrichtenagentur AFP. In Westeuropa werden sich 2001 den Schätzungen zufolge etwa 30.000 Menschen mit dem Aids-Virus angesteckt haben. UNAIDS rechnet mit insgesamt 6800 Todesfällen sowie einem Anstieg der Gesamtzahl der Infizierten auf 560.000. Nach Angaben der Deutschen Aids-Stiftung sind in Deutschland rund 40.000 Menschen mit dem Virus infiziert.

Die rasche Ausbreitung des Aids-Virus in Afrika "bedroht die Entwicklung und die soziale Stabilität der betroffenen Länder in einem bislang ungekannten Ausmaß", warnen die UN-Experten. In 16 Staaten südlich der Sahara sind demnach mindestens zehn Prozent der Einwohner zwischen 15 und 49 Jahren mit dem Virus infiziert - die meisten, ohne es zu wissen. An der Spitze steht Botsuana im südlichen Afrika: Dort tragen 35 Prozent der Erwachsenen den tödlichen Virus im Blut. "Ohne Zugang zu Medikamenten werden die meisten der Infizierten das vor uns liegende Jahrzehnt nicht überleben", heißt es in dem Bericht.

"Ohne die Aids-Epidemie läge die durchschnittliche Lebenserwartung im Afrika südlich der Sahara bei 62 Jahren. Tatsächlich beträgt sie aber nur 47 Jahre", stellten die UN-Experten fest. Von den weltweit geschätzten fünf Millionen Neuinfektionen des Jahres 2001 entfallen 3,4 Millionen auf afrikanische Länder. In der Region sei Aids inzwischen die häufigste Todesursache, im weltweiten Vergleich der häufigsten Todesursachen liegt Aids an vierter Stelle. Ein Drittel der weltweit Infizierten ist jünger als 24 Jahre, knapp drei Millionen sind unter 15 Jahren.

Zu einem weiteren Aids-Krisenherd könnten sich dem Bericht zufolge die bevölkerungsreichen Länder Asiens entwickeln. In China, Indien und Indonesien, wo mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, zeige die Infektionsrate vor allem bei Empfängern von Bluttransfusionen, bei Drogenabhängigen und Prostituierten steil nach oben.

Die Deutsche Aids-Stiftung rechnet damit, dass in einigen Jahren ein Impfstoff gegen Aids einsatzbereit sein wird. Die erste Komponente einer Mehrfachimpfung sei bereits entwickelt und geprüft worden, erklärte Ulrich Heide vom Vorstand der Stiftung in Bonn. Vor allem für die Menschen in Entwicklungsländern sei eine sichere und wirksame Impfung die einzig realistische Chance auf Schutz vor einer HIV-Infektion.

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