Berlin, 13. November (AFP) - Bei der WTO-Konferenz in Doha ist nach zähen Verhandlungen eine Einigung im Streit um billige Arznei-Kopien erzielt worden. Damit wird es Entwicklungsländern in Ausnahmesituationen erlaubt, den Patentschutz beispielsweise auf teure Aids-Präparate zu brechen und selbst Duplikate zu produzieren. Diese sind deutlich billiger und somit auch für die Bevölkerung der betreffenen Länder erschwinglich.
Konkret geht es um so genannte GENERIKA. Diese billigeren Nachahmer-Produkte enthalten die gleichen Wirkstoffe wie die teuren Ursprungsmedikamente. Sie können also genauso angewandt werden wie die Originalpräparate, kosten den Patienten beziehungsweise seine Krankenkasse aber deutlich weniger.
Allerdings dürfen Generika nach bisherigen Rechtsstand erst nach Ablauf des PATENTSCHUTZES auf den Markt gebracht werden. Dieser beträgt generell 20 Jahre. Allerdings gilt er vom Tag der Patentanmeldung an. Da bis zur Markteinführung nach Angaben des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) in der Regel bis zu 14 Jahre vergehen, hat der Hersteller nur wenige Jahre, in denen er aufgrund seines Monopols den Preis diktieren kann.
Die Pharmaforscher wollen deshalb den Patentschutz auf jeden Fall beibehalten, möglichst sogar verlängern. Sie verweisen auf die FORSCHUNGSKOSTEN: Die 38 großen forschenden Arzneimittelhersteller in Deutschland - allen voran Bayer - stecken nach eigenen Angaben täglich 17 Millionen Mark (8,7 Millionen Euro) in die Entwicklung neuer Medikamente.
Die Anbieter von Generika wiederum haben vor allem ein überzeugendes Argument: den PREIS. Ihr Produkt kostet bei Markteinführung nach Ablauf des Patentschutzes den Angaben des Deutschen Generikaverbandes zufolge in der Regel 20 Prozent weniger als das Original. Da der Ursprungsanbieter nachziehen muss und oft auch andere Generika-Hersteller auf den Markt drängen, dreht sich die Preisspirale schnell nach unten: Ein Jahr später kostet das Medikament in der Regel nur noch ein Viertel des Originalpräparates zu Zeiten des Patentschutzes - mit garantiert gleicher Wirkung.
Angesichts dieses Preisvorteils sind Generika seit Jahren auf dem Vormarsch: Ihr MARKTANTEIL am Gesamt-Apothekenumsatz betrug in Deutschland im vergangenen Jahr 21 Prozent und damit 11,4 Milliarden Mark (5,8 Milliarden Euro), was den ersten Platz in Europa bedeutet. Noch deutlicher fällt die Zahl aus, wenn nur Medikamente betrachtet werden, bei denen die Patente abgelaufen sind. Hier verschreiben die Ärzte nur noch zu 30 Prozent das Originalpräparat und zu 70 Prozent die billigeren Kopien.
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