Oslo, 12. Oktober (AFP) - Der Friedensnobelpreis geht zu seinem 100. Jubiläum an die Vereinten Nationen und ihren Generalsekretär Kofi Annan. In einer Welt, die durch alte Übel wie Krieg und neue Bedrohungen wie Terrorismus und Aids geprägt sei, setzten sich Annan und die UNO für Frieden und Gerechtigkeit ein, erklärte das Nobelpreiskomitee am Freitag in der norwegischen Hauptstadt Oslo seien Entscheidung. Annan habe sich den neuen Herausforderungen gestellt und zudem eine wirksamere Nutzung der knappen UN-Resourcen erreicht, hieß es weiter. Der UN-Generalsekretär begrüßte die Auszeichnung als einen "Ansporn, noch mehr zu tun: Das wird meine Kollegen in Afghanistan, in Kongo und auf dem Balkan ermutigen." International wurde die Entscheidung begrüßt, aus aller Welt gingen Glückwünsche ein.
Die Preisverleihung sei eine Anerkennung der Arbeit Annans und aller UN-Mitarbeiter, "nicht nur in den vergangenen fünf Jahren, sondern über 50 Jahre", sagte Annans Sprecher Fred Eckhard. Der 63-jährige Ghanaer habe fast seine ganze Karriere in den Dienst der UNO gestellt und "die Organisation zu neuem Leben erweckt", erklärte das Nobelpreiskomitee. Vor Annan wurde erst ein UN-Generalsekretär mit diesem Preis ausgezeichnet: Dag Hammarskjöld, der zweite Generalsekretär seit Gründung der Vereinten Nationen, erhielt ihn 1961 posthum. Teilorganisationen der Vereinten Nationen wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach geehrt, doch niemals die Organisation als Ganzes.
Der diesjährigen Auswahl des Nobelkomitees wird eine starke symbolische Bedeutung beigemessen. Zwar habe die UNO in ihrer Geschichte neben vielen Erfolgen auch Rückschläge erlitten. Im Jubiläumsjahr wolle das Komitee aber daran erinnern, "dass der einzig mögliche Weg zu weltweitem Frieden und Zusammenarbeit über die Vereinten Nationen führt", hieß es in der Erklärung. Beobachtern zufolge richtet sich der Apell einen Monat nach den Terroranschlägen in den USA und kurz nach Beginn der US-Luftangriffe auf Afghanistan besonders an Washington, das sich um eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus bemüht.
Das Internationale Rote Kreuz (IKRK), selbst unter den Favoriten für die Auszeichnung, gratulierte Annan und der UNO. Der Preis sei eine Anerkennung für die humanitäre Arbeit der UN-Organisationen, sagte eine Sprecherin in Genf. Weitere Kandidaten für den Preis waren unter anderem das UN-Kriegsverbrechertribunal, Ex-US-Präsident Jimmy Carter, Papst Johannes Paul II. und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.
Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gratulierte Annan. Dieser habe "entscheidende Impulse für die Reform und Stärkung der Vereinten Nationen gegeben", erklärte er. "Gerade in der aktuellen Auseinandersetzung der internationalen Staatengemeinschaft mit dem internationalen Terrorismus kommt den Vereinten Nationen herausragende Beeutung zu." Mit Freude wurde die Auszeichnung in Annans Heimatland Ghana aufgenommen: "Das ist eine große Ehre, nicht nur für Kofi, sondern für den afrikanischen Kontinent", sagte seine Schwester Esi Arthur der Nachrichtenagentur AFP.
Der 63-jährige Annan führt seit 1997 den Vorsitz der Vereinten Nationen. Im Juni wurde er für eine zweite Amtszeit gewählt, die bis Dezember 2006 läuft. Als einer seiner größten Erfolge gilt seine Reise nach Bagdad 1998, wo er gegen den Willen der USA intervenierte, den irakischen Staatschef Saddam Hussein zum Einlenken bewegte und so nach Einschätzung vieler Experten der Welt einen weiteren Golfkrieg ersparte. Die Debakel der UNO in Bosnien und Ruanda gestand er unumwunden ein.
Die Bekanntgabe des Friedensnobelpreises war gleichzeitig Höhepunkt und Abschluss der diesjährigen Nobel-Saison. Bei der Jubiläums-Verleihung am 10. Dezember in Oslo sollen möglichst viele noch lebende Friedensnobelpreisträger anwesend sein. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit umgerechnet rund zwei Millionen Mark dotiert.
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