Peking, 11. September (AFP) - Zum ersten Mal hat ein chinesisches Gericht der Familie eines Aids-Opfers eine Entschädigung in Millionenhöhe zugesprochen. Dem Ehemann und der Tochter von Chen Xiumei, die Ende vergangenen Jahres an Aids gestorben war, stünden zehn Millionen Yuan (2,6 Millionen Mark/1,33 Millionen Euro) Entschädigung zu, berichteten staatliche Medien am Dienstag. Das Urteil wurde am Montag von einem Volksgericht in der Provinz Jiangsu gefällt. Einem Justizsprecher zufolge wird die Summe vermutlich nicht in einem Stück ausgezahlt. Stattdessen werde das örtliche Krankenhaus beiden ebenfalls Aids-infizierten Familienangehörigen monatlich 80.000 Yuan zahlen, bis diese gestorben seien oder eine Therapie Erfolg gehabt habe. Chen Xiumei war durch eine Bluttransfusion mit dem Aidsvirus infiziert worden. Das Gerichtsurteil könnte eine Welle von Entschädigungsklagen in China auslösen.
Die Regierung in Peking hatte Anfang August erstmals eingeräumt, dass unkontrollierter Bluthandel eine Aidswelle in der zentralchinesischen Provinz Henan ausgelöst hat. Viele Bauern infizierten sich mit dem tödlichen Virus, als sie ihr Blut gegen Bezahlung unhygienisch geführten Blutbanken spendeten. Krankenhäuser kauften das verunreinigte Blutplasma auf und verabreichten es ungeprüft an Patienten. Nicht gebrauchtes, vermischtes Blut wurde den Spendern wieder injiziert. Experten schätzen, dass sich allein in der Provinz Henan eine Million Menschen bei Transfusionen mit Aids angesteckt haben. Insgesamt könnten in China mehrere Millionen Blutspender infiziert sein.
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