New York, 25. Juni (AFP) - Zu Beginn der UN-Sonderkonferenz zum Thema Aids hat Generalsekretär Kofi Annan die weltweite gesellschaftliche Ächtung von Aids-Kranken angeprangert. Über Ansteckungswege der Krankheit und Vorbeugung müsse künftig in aller Deutlichkeit gesprochen werden, sagte Annan am Montag zur Eröffnung der Tagung der UN-Vollversammmlung in New York. Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer der 22 Millionen Opfer der Immunschwächekrankheit. Die Vertreter der 185 Mitgliedsstaaten wollen in New York drei Tage lang über Strategien zum Kampf gegen Aids beraten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) begrüßte die von Annan vorgeschlagene Einrichtung eines globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids.
Annan sagte, Aids könne nicht "mit moralischen Verurteilungen" oder der Verweigerung unangenehmer Tatsachen bekämpft werden - "schon gar nicht, indem man die Infizierten stigmatisiert". Der UN-Generalsekretär forderte die reichen Staaten zu einem stärkeren finanziellen Engagement im Kampf gegen die Immunschwäche auf. Zur wirksamen Bekämpfung von Aids in den Entwicklungsländern sei etwa fünf Mal mehr Geld erforderlich als derzeit zur Verfügung stehe. Nicht-Regierungsorganisationen befürchten, dass eine Koalition aus katholischen und islamischen Ländern jeglichen Bezug zum Thema Sexualität in der Abschlusserklärung verhindern will und damit einer gemeinsamen Stellungnahme die Substanz nehmen könnte. Die Formulierung der Abschlusserklärung war bis Montag noch strittig.
Im Mittelpunkt der Beratungen steht auch die Preispolitik internationaler Pharmaunternehmen für Aids-Medikamente. Auch soll über die Aufbringung zusätzlicher Mittel für Behandlung, Vorbeugung und Pflege sowie über die Entwicklung wirksamer und erschwinglicher neuer Technologien und Behandlungsmethoden gesprochen werden. Schmidt sagte vor der UN-Vollversammlung, es müsse sicher gestellt werden, dass die Mittel "auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden". Weltweit leben derzeit mehr als 36 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, mehr als zwei Drittel allein in Afrika. Allein im vergangenen Jahr starben rund drei Millionen Menschen an der Immunschwäche.
Die Vereinigten Staaten signalisierten unterdessen nach Angaben von Diplomaten der Welthandelsorganisation (WTO) ihre Bereitschaft, eine Klage gegen die Lizenz-Produktion von Aids-Medikamenten in Brasilien zurückzuziehen. Nach brasilianischem Recht dürfen heimische Unternehmen patentierte Medikamente ausländischer Firmen in Lizenz herstellen, wenn die ausländischen Unternehmen dieses Medikament nicht innerhalb von drei Jahren auch in Brasilien herstellen. Washington hatte dagegen vor der WTO wegen Wettbewerbsverzerrung und Protektionismus geklagt.
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