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UNO/Gesundheit/Aids/KORR: Pillenpreise am Pranger: UNO drängt Pharmaindustrie zur Verbilligung der Aids-Medikamente

Agence France-Presse - Juni 25, 2001
Robert Holloway

New York, 25. Juni (AFP) - Bei der UN-Sonderkonferenz zum Thema Aids in New York steht von Montag an erneut die Pharmaindustrie am Pranger. Bezahlbare Medikamente für alle Erkrankten hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan erst vor kurzem als eine der wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen die Immunschwächekrankeit gefordert. Sechs Pharmaunternehmen hätten die Lieferung von Aids-Medikamenten in arme Länder zu stark reduzierten Preisen zugesagt, gab Annan auf dem Aids-Gipfel in Nigeria im April bekannt. Für Stephen Lewis, den UN-Sonderbeauftragten für Aids in Afrika, ein "historischer" Schritt. Dennoch fragt er: "Sind die Unternehmen wirklich so weit gegangen, wie sie können?" Die Antwort gibt er gleich selbst: "Ich glaube nicht."

Bei der Suche nach einer weltweiten Strategie gegen Aids auf der bis Mittwoch dauernden Sondersitzung der UN-Vollversammlung sind die Kosten für die Therapie ein zentrales Thema. Die Pharmaindustrie versuchte bereits im Vorfeld der Tagung, von dem Problem abzulenken. Bei der Behandlung der 24 Millionen mit dem HI-Virus infizierten Afrikaner sei der Preis der Arzneien bei weitem nicht die größte Schwierigkeit, betonte der Verband der US-Pharmaunternhemen PhRMA. "Das Problem ist nicht, die Medikamente herzustellen und zu verteilen", sagt Shannon Herzfeld von PhRMA. Problematisch sei vielmehr, dass in Afrika die Strukturen zur Behandlung von Aids-Patienten fehlten, Bürgerkriege und Unterentwicklung verschlimmerten zudem die Lage. So hätten Mitte der 90er Jahre in Schwarzafrika 88 Prozent der Medikamente die Patienten nicht erreicht.

Oft würden die Medikamente falsch verschrieben oder seien verfallen, sagt Herzfeld. Ein Teil sei zudem in dunklen Kanälen versickert. Auch die korrekte Einnahme der Mittel stellt laut Herzfeld ein großes Problem dar. Selbst in den Vereinigten Staaten würden nur 65 Prozent der Patienten die verschriebenen Medikamente in der richtigen Dosis und zur gegebenen Zeit einnehmen.

Dieses Problem könne sehr einfach aus der Welt geschafft werden, versucht die Professorin Randa Hamadeh von der Universität New York die Argumentation der Pharmakonzerne zu entkräften. In einer Studie mit 500 Patienten testet die Ärztin eine Pille, die drei Medikamente gegen den HI-Virus enthält und nur zweimal am Tag eingenommen werden muss. Auch Medikamente, die die Übertragung des Virus von der Mutter auf ihr Kind verhindern, könnten ebenfalls sehr einfach vor und nach der Geburt angewandt werden, sagt die Medizinerin. "Viele Untersuchungen zeigen die Wirksamkeit dieser Therapien, und es wäre unverantwortlich, sie den Ländern in der Dritten Welt vorzuenthalten", betont Hamadeh.

"Eine Million Patienten zu behandeln würde 1,1 Milliarden Dollar (2,53 Milliarden Mark/1,29 Milliarden Euro) kosten - selbst mit den neuen günstigeren Preisen", rechnet Mark Malloch-Braun vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP vor: 600 Dollar pro Patient für die Medikamente und 500 Dollar für die Behandlungskosten. Angesichts von 36 Millionen Aids-Kranken sieht die UNO keinerlei Möglichkeit, alle Betroffenen mit Medikamenten zu versorgen. Der effektivste Ansatz zur Eindämmung der Epidemie bleibe deshalb, unterstreicht Malloch-Braun, die Prävention.

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