Johannesburg, 21. Juni (AFP) - Aids-Waisen in Südafrika leiden unter Unterernährung, Krankheiten und Diskriminierung. Viele Kinder, die nach dem Aids-Tod ihrer Eltern sich selbst überlassen seien, versuchten zudem, mit Prostitution ihren Lebensunterhalt zu verdienen, heißt es in einer am Donnerstag in Johannesburg veröffentlichten Studie. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei das größte Problem für die Kinder, sagte Alf Nghalaluma, Leiter des Forschungsinstituts "Africa Now". Viele müssten tagelang ohne Essen auskommen. "Es ist allgemein üblich, dass Kinder zur Prostitution gezwungen werden, um sich selbst und ihre Familien ernähren zu können", sagte Irene Menell vom Nelson Mandela Children's Fund, der die Studie über "von Kindern geführte Haushalte" in Auftrag gegeben hatte. Die Studie zeige den "enormen Bedarf einer Krisenprävention und von langfristiger Strategien", fügte Menell hinzu.
Außerhalb Johannesburgs seien sechs Waisen 18 Monate lang sich selbst überlassen worden, ohne dass die Menschen in ihrer Umgebung Notiz von ihnen genommen hätten, sagte der Wissenschaftler Lungi Mabude bei der Vorstellung der Studie. Als sie gefunden wurden, seien sie sterbenskrank gewesen. In der Stadt Melmoph 160 Kilometer nördlich der Küstenstadt Durban seien 350 Kinder durch den Tod der Eltern zum Familienoberhaupt geworden, berichtete Nghalaluma von "Africa Now". Die Zahl könne aber auch höher liegen.
Die Studie ergab außerdem, dass Aids-Waisen besonders engagiert am Schulunterricht teilnehmen. Eine gute Ausbildung erscheine ihnen als Ausweg aus ihrer Misere. "Die Schule hat für sie einen höheren Wert als für andere Kinder. Sie sehen es als Investition in die Zukunft", sagte Nghalaluma. Ein gravierendes Problem sei aber, dass die Waisen oftmals von Mitschülern oder Lehrern diskriminiert würden, sobald bekannt werde, dass ihre Eltern an Aids gestorben sind. Andere würden fortgeschickt, weil sie die Schulgebühr nicht zahlen könnten.
Nach Schätzungen der Regierung waren Ende 2000 in Südafrika 4,7 Millionen Menschen mit HIV infiziert, also jeder neunte Südafrikaner. 600.000 bis 800.000 Kinder wurden durch die Epidemie bereits zu Waisen.
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