Johannesburg, 1. Juni (AFP) - Südafrikas berühmtester Aids-Patient Nkosi Johnson hat den Kampf gegen die tödliche Immunschwäche verloren: Der Zwölfjährige starb am Freitagmorgen in seinem Johannesburger Zuhause im Schlaf, wie seine Pflegemutter Gail Johnson mitteilte. Nkosi Johnson nutzte sein kurzes Leben, um der Krankheit mit strahlendem Lächeln und großen Augen die Stirn zu bieten. Weltberühmt wurde er mit seinem Auftritt vor der Aids-Konferenz in Durban im Juli, wo er vor Tausenden Konferenzteilnehmern um mehr Verständnis für Aidskranke bat: "Wir sind normale Menschen, wir können gehen, wir können sprechen. Niemand kann Aids durch Umarmungen, Küsse oder Händehalten bekommen."
Nkosis Pflegemutter nannte den Tod ihres kleinen Jungen ausgerechnet zum nationalen Kindertag "symbolisch". "Er hat mehr für Aids getan als irgendjemand in Südafrika. Er hat Aids ein Gesicht gegeben". Nach ihren Worten starb Nkosi "sehr friedlich": "Die Nachtschwester alarmierte mich. Sein Körper war ganz steif geworden, fühlte sich aber noch warm an." Kurze Zeit später war er tot. In seinem letzten Gespräch vor seinem Tod habe Nkosi bedauert, dass seine Pflegemutter im Kampf gegen Aids nun "ohne Partner" dastehe, sagte Gail Johnson.
In den vergangenen Jahren bewegte das südafrikanische Kind ein ganzes Land. Leidenschaftlich setzte sich Nkosi dafür ein, ein Medikament an schwangere aidskranke Frauen zu verteilen, das eine Übertragung auf das Ungeborene minimiert. 1997 trat der Junge erstmals öffentlich in Erscheinung, als er gegen den Widerstand von Eltern seiner Mitschüler in einer örtlichen Schule aufgenommen wurde. Ex-Präsident Nelson Mandela nannte Nkosi einmal "eine Ikone für den Lebenswillen". Am Freitag lobte Mandela Nkosis "Unerschrockenheit". Auch das Parlament würdigte den Kampf des Jungen gegen Vorurteile und Desinteresse.
Nkosi war schon im Mutterleib mit der Immunschwäche infiziert worden. Neun Monate gaben ihm die Ärzte bei seiner Geburt, doch am 4. Februar konnte er noch seinen zwölften Geburtstag feiern. Mitte Dezember war Nkosi wegen Hirnschäden und Infektionen kollabiert. Anfang Januar holte Gail Johnson ihren Ziehsohn aus dem Krankenhaus, nachdem die Ärzte die Hoffnung aufgegeben hatten. Tausende pilgerten seitdem zu dem Johannesburger Haus "Nkosi's Haven" ("Nkosis Hafen"), wo noch 20 weitere HIV-infizierte Kinder und elf Mütter ein Zuhause fanden. Nkosi's Haven soll nun zu einer Aids-Stiftung ausgebaut werden.
Noch am Donnerstag musste sich Gail Johnson vor der Presse gegen Vorwürfe wehren, sie halte den Jungen bewusst von der Schule fern, um finanziell von seinem Leiden zu profitieren. Einen Tag später wollte sie sich vor allem an das Leben mit Nkosi erinnern, den sie mit zwei Jahren bei sich aufnahm: Er sei ein leidenschaftlicher Witze-Erzähler gewesen, habe aber immer die Pointe vergessen, berichtete sie fast lächelnd. In Südafrika ist jeder Neunte - rund 4,7 Millionen Menschen - mit dem tödlichen Virus infiziert. Jedes Jahr kommen rund 70.000 HIV-infizierte Babys auf die Welt, bis zu 800.000 Kinder haben ihre Eltern durch Aids verloren.
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