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D/Südafrika/Gesundheit/Aids/Justiz/ZF: Wieczorek-Zeul: Ausbau des Gesundheitswesens in Dritter Welt nötig: Einigung zu Aids-Medikamenten in Südafrika international begrüßt

Agence France-Presse - April 20, 2001

Berlin/Washington, 20. April (AFP) - Nach der wegweisenden Einigung zwischen Pharmakonzernen und Südafrika über verbilligte Aids-Medikamente hat die Bundesregierung den Ausbau des Gesundheitswesens in den Entwicklungsländern angemahnt. Dies sei notwendig, damit die Medikamente auch tatsächlich den Betroffenen zur Verfügung gestellt würden, sagte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) am Freitag im NDR. Auch die Industrieländer seien in der Pflicht, damit Aids-Kranke fach- und sachgerecht behandelt würden. Die außergerichtliche Einigung, mit der der Weg für bezahlbare Aids-Medikamente frei gemacht wurde, stieß weltweit auf ein positives Echo. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach von einem Zeichen der Hoffnung für Millionen von Aids-Kranken in der Dritten Welt. Die indische Pharmaindustrie sieht nach der Entscheidung gewaltige Expansionsmöglichkeiten.

Wieczorek-Zeul sagte weiter, die deutsche Entwicklungsarbeit trage bereits in vielen afrikanischen Ländern zum Ausbau von Gesundheitsstationen bei. "Das gleiche Angebot machen wir jetzt auch gegenüber Südafrika." Erforderlich sei nun eine "große Gemeinschaftsaktion". Außenminister Joschka Fischer (Grüne) betonte, die Regierungen der Dritten Welt, der Industrieländer sowie die Pharmaunternehmen müssten den eingeschlagenen Weg der Kooperation fortgehen und ihre Anstrengungen intensivieren.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums sagte am Donnerstag in Washington, die USA "unterstützen und ermunterten" die Industrie in ihrem Bemühen, Medikamente gegen Aids, Tuberkulose und Malaria für die Menschen in den Entwicklungsländern bezahlbar zu machen. Amerikanische Aids-Aktivisten feierten die Einigung: Die Firmen hätten einsehen müssen, dass sie das Recht der Armen auf Behandlung nicht länger verweigern könnten, sagte der Chef von Oxfam America, Raymond Offenheiser.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte sich in Genf bereit, der südafrikanischen Regierung beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit zu helfen. Mit der medizinischen Grundversorgung Kranke müssten aber auch dauerhaft niedrige Preise, deutlich höhere nationale und internationale Subventionen und konkrete Maßnahmen zum Aufbau eines wirklichen Gesundheitssystems einhergehen.

Für die führenden indischen Pharmaproduzenten von so genannten Generika, die Marken-Medikamenten nachgeahmt sind, bedeutet die Entscheidung die Öffnung eines lukrativen Marktes. Nach Angaben eines Aids-Experten in Neu Delhi dürfte sich die Zahl der indischen Firmen für Generika von derzeit drei auf bald zehn steigen. Indien teilt sich diesen Markt bislang mit Brasilien und Thailand. Die Pharmaunternehmen hatten gegen ein südafrikanisches Gesetz geklagt, das mittellosen Patienten den Zugang zu preisgünstigen Medikamenten ermöglichen soll und den Import sowie die Herstellung von Generika erlaubt.

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