Berlin, 21. März (AFP) - Sie können monatelang im Staub überleben und überstehen selbst Temperaturen von minus siebzig Grad Celsius: Die Erreger der Tuberkulose sind nicht nur widerstandsfähig, sondern auch noch 119 Jahre nach ihrer Entdeckung für eine der weltweit häufigsten Infektionskrankheiten verantwortlich. Auch in Deutschland ist die "weiße Pest" längst nicht besiegt. Jedes Jahr gibt es rund 10.000 neue Krankheitsfälle. Zwar zeigt sich hierzulande seit Jahren eine leicht rückläufige Tendenz. "Die weltweite Zunahme der Erkrankungen und die wachsende Resistenz der Tuberkuloseerreger gegen die eingesetzten Antibiotika lassen Deutschland nicht unberührt", erklärte Reinhard Kurth, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März.
Weltweit trägt etwa ein Drittel der Bevölkerung den Tbc-Erreger in sich, wobei nur ein Bruchteil der Infizierten erkrankt. Rund acht Millionen Neuerkrankungen gibt es jedes Jahr; zwei Millionen Menschen sterben daran, vor allem wegen mangelnder Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Ursache für den weltweiten Anstieg der Tbc-Erkrankungen sind neben der schlechten medizinischen Versorgung eine unzureichende Ernährung, beengte Wohnverhältnisse, mangelhafte hygienische Bedingungen und die noch immer ungebremste Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids.
Auch in Deutschland sterben jährlich 500 bis 700 Menschen an Tbc. Insgesamt ging die Zahl der Neuerkrankungen aber zurück: 1997 wurden noch 11.163 Fälle, im Jahr darauf 10.440 und 1999 etwa 9974 Fälle gemeldet. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer unzureichend behandelten früheren Tbc, HIV-Infizierte und andere Patienten mit geschwächtem Immunsystem sowie Kontaktpersonen von an offener Tuberkulose Erkrankten. Die Infektion erfolgt fast immer durch Tröpfchen. Betroffen ist in der Regel die Lunge; grundsätzlich kann die Tuberkulose - im Volksmund auch Schwindsucht genannt - aber alle Organe befallen. Die Krankheit macht sich mit allgemeinen Symptomen wie Fieber, Gewichtsverlust, Konzentrationsstörungen, Schwitzen, Appetitmangel und Zeichen eines grippalen Infektes bemerkbar. Auch Husten, Thoraxschmerzen und Atemnot können auftreten.
Grundsätzlich muss Tbc mehrere Monate lang mit mindestens drei Antibiotika behandelt werden. Bei unregelmäßiger, fehlender oder abgebrochener Therapie überleben vor allem solche Bakterienstämme, die besonders widerstandsfähig gegen Antibiotika und damit resistent sind. Als Folge der problematischen Gesundheitsversorgung nimmt beispielsweise auch in Osteuropa die Zahl der resistenten Stämme zu; von dort können sie auch nach Deutschland gelangen.
"In Deutschland zeichnet sich seit mehreren Jahren eine Zunahme von multiresistenten Tuberkulose-Erregern ab", bestätigt Sabine Rüsch-Gerdes vom Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien. Nach einer Studie des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) aus dem Jahr 1999 bestand in 8,5 Prozent von über 3200 untersuchten Fällen eine Resistenz gegenüber mindestens einem Antibiotikum. In 1,4 Prozent der Fälle gab es sogar eine Multiresistenz.
Stämme, die aus anderen Regionen importiert wurden, wiesen dabei zum Teil wesentlich höhere Resistenzraten auf: So lag der Anteil bei Patienten aus Deutschland bei 0,6 Prozent und bei Patienten aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei 9,4 Prozent. Nach Angaben von Rüsch-Gerdes gibt es in Deutschland derzeit rund 100 Patienten mit multiresistenden Erregern. Die Expertin warnt allerdings vor Panik: "Die Krankheit kann bisher in den allermeisten Fällen behandelt werden."
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