Berlin, 28. November (AFP) - Die Aids-Epidemie breitet sich allen Eindämmungsversuchen zum Trotz vor allem in Afrika und Osteuropa weiterhin dramatisch aus. Dieses Jahr infizierten sich weltweit 5,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, wie der Vorsitzende des Aids-Programms der Vereinten Nationen (UNAIDS), Peter Piot, am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichts seiner Organisation in Berlin mitteilte. Damit leben gegenwärtig 36,1 Millionen Menschen mit dem Aids-Virus. In Osteuropa nahm die Zahl der HIV-Positiven in nur einem Jahr um zwei Drittel zu. Am dramatischsten sei die Lage aber weiterhin im südlichen Teil Afrikas, wo 25,3 Millionen Menschen mit dem Virus leben, betonte Piot. Die UNO kündigte ebenso wie die Bundesregierung Hilfe bei der Aufklärung, beim Abbau von Tabus und der Verbesserung der Gesundheitssysteme an.
Allein in Afrika südlich der Sahara infizierten sich dem UN-Bericht zufolge dieses Jahr 3,8 Millionen Menschen neu mit Aids. Die Bundesregierung bemüht sich nach den Worten von Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) besonders in Kenia, Tansania und Uganda, die Gesundheitsdienste zu unterstützen. Der Schwerpunkt liege auch dort bei der Prävention. Insgesamt stelle das Ministerium für den Kampf gegen Aids in diesem Jahr 102,5 Millionen Mark zur Verfügung. Dieser Posten solle im kommenden Jahr auf rund 140 Millionen Mark angehoben werden, sagte Wieczorek-Zeul. Sie begrüßte die Initiative von fünf internationalen Pharmakonzernen, die Preise für Medikamente gegen den Aids-Virus um bis zu 90 Prozent zu senken.
Die Direktorin des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, Carol Bellamy, sagte voraus, dass in acht afrikanischen Ländern südlich der Sahara 30 Prozent der heute 15-Jährigen der Aids-Epidemie zum Opfer fallen. Weltweit infiziere sich alle sechs Minuten ein Mensch zwischen 15 und 24 Jahren mit dem HI-Virus. Deshalb müssten Regierungen, Wirtschaft und Öffentlichkeit Kampagnen zur Aids-Aufklärung von Jugendlichen stärker fördern.
Geradezu explosionsartig breitete sich Aids dem Bericht zufolge in Osteuropa aus. Derzeit leben in dieser Region 700.000 Menschen mit dem HI-Virus, im vergangenen Jahr waren es noch 420.000. Allein in Russland hat sich die Zahl der Träger des Virus im gleichen Zeitraum auf 300.000 mehr als verdoppelt. Die meisten Neuinfizierten seien Drogenabhängige, die sich mit Spritzen untereinander anstecken, hieß es.
Piot begrüßte, dass sich der UN-Sicherheitsrat in diesem Jahr erstmals mit Aids befasst habe. Auch die nationalen Regierungen vor allem in Afrika hätten das Problem in Foren wie dem G-8-Staaten oder der G-77-Gruppe offen beim Namen genannt. Dieses neue Problembewusstsein müsse nun in die Tat umgesetzt werden. Im Mittelpunkt des diesjährigen Welt-Aids-Tages am kommenden Freitag stehe die Rolle des Mannes beim Kampf gegen die Immunschwäche-Krankheit. Zu oft verhinderten sexuelle Tabus und das traditionelle Rollenverständnis des Mannes die Benutzung einfacher Schutzmittel wie Kondome, sagte Piot. Deshalb ziele die Kampagne "Männer stellen sich der Verantwortung" darauf ab, das Problembewusstsein der Männer zu stärken.
In Deutschland sei die Zahl der Neuinfektionen in diesem Jahr stabil geblieben, sagte Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne). Ein Grund zur Entwarnung sei dies allerdings nicht. Die Behandlungserfolge im Kampf gegen Aids hätten verstärkt zu Sorglosigkeit geführt. Deswegen müssten die Aufklärungskampagnen stetig an die neue Situation angepasst werden.
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