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D/UNO/Aids/Südafrika: Südafrika: Wenn Kinder für Kinder sorgen müssen - Hundertausende Aids-Waisen sind auf sich allein gestellt
Claire Keeton
Agence France-Presse - November 28, 2000

Port Shepstone, 28. November (AFP) - Nomfanelo ist in diesem Monat 18 Jahre alt geworden. Doch feiern wollte sie nicht. Wie sollte sie auch, sie hat Wichtigeres zu tun. Die Jugendliche hat drei Kinder zu versorgen, einen fünfjährigen Jungen und ein einjähriges Zwillingspärchen. Es sind nicht Nomfanelos eigene Kinder: Sie sind Aids-Waisen, drei von über einer halben Million in Südafrika. Ihre Mutter ist im vergangenen Jahr an Aids gestorben, genauso wie Nomfanelos eigene Mutter vor einigen Jahren. Die Immunschwächekrankheit hat sich wie eine biblische Plage in dem Land am Kap ausgebreitet. Besonders die Kinder leiden: Eine Million Aids-Waisen wird es 2005 in Südafrika geben, zwei Millionen im Jahr 2010, wie die UN-Hilfsorganisation UNAIDS schätzt.

"Meine Tante wollte, dass ich mich um ihre drei Kinder kümmere, wenn sie stirbt. Ich habe es ihr versprochen", erzählt Nomfanelo. Ihr Onkel ist selbst krank, der abgemagerte 50-Jährige ertränkt seinen Kummer im Bier. "Früher hatte ich Zeit für meine Freunde, ich konnte Sport treiben und in die Kirche gehen. Jetzt geht das nicht mehr", sagt die 18-Jährige. Zeit zur Entspannung findet Nomfanelo keine, seitdem die tödlichen Folgen der Aids-Epidemie sie plötzlich ins Erwachsenenleben katapultiert haben.

Eltern in Südafrika hinterlassen im Durchschnitt vier bis fünf Kinder, wenn sie an Aids sterben, sagt Kath Defilippi, Direktorin eines Zusammenschlusses von Krankenpflegestationen in der Provinz KwaZulu-Natal, wo die Krankheit am schlimmsten grassiert. Sie steht rund 350 elternlosen Haushalten wie dem von Nomfanelo zur Seite, besorgt Essen und Medikamente, gibt Erziehungstipps, vermittelt Darlehen und hilft bei Beerdigungen. "Es gibt so viele Haushalte, die von Kindern geführt werden. Denen helfen wir, so gut wir können", sagt Defilippi. "Einmal haben wir Kinder gefunden, die seit drei Tagen nichts mehr zu Essen hatten." KwaZulu-Natal sei schon immer arm gewesen. Jetzt, unter dem Eindruck der Aids-Epidemie, sei die Armut richtig "schrecklich" geworden.

In keiner Region der Welt hinterlässt Aids so viele Opfer wie in Afrika. Von weltweit 36 Millionen Infizierten leben nach Angaben von UNAIDS 25 Millionen im Afrika südlich der Sahara. 2,4 Millionen der jährlich drei Millionen Aids-Toten sind dort zu beklagen. Fast vier Millionen Menschen infizieren sich jährlich mit dem HI-Virus.

Nomfanelo ist über ihr Schicksal nicht bitter geworden. Eine Sozialarbeiterin hat sie überredet, die Kinder vorläufig in ein Heim zu geben. So hat sie wenigstens ein wenig Zeit, für ihre Abschlussprüfungen an der Schule zu büffeln. Die junge Ersatzmutter möchte später einmal Sozialpädagogik studieren, "um anderen zu helfen", wie sie sagt. "Ich weiß, dass das hart wird. Aber ich werde fleißig arbeiten, um das zu schaffen und um später eine Stelle zu finden." Nomfanelos größter Wunsch ist aber, "ihre" Kinder sobald wie möglich nach Hause zurückzuholen.

Jetzt muss sie aber erst noch jobben, um etwas Geld für ihr Studium beiseite legen zu können. Die Haushaltseinkünfte sind bisher mager. Eine ältere Schwester überweist jeden Monat 300 Rand (knapp 90 Mark). Nicht viel besser sieht es bei Nomfanelos Nachbarin Miriam Mzothwa aus. Die 66-jährige Rentnerin musste am Ende ihres Lebens noch einmal Mutterpflichten übernehmen. Gleich neun Kinder versorgt die alte Frau. Sechs davon sind die Kinder ihrer Tochter, die letztes Jahr starb. "Für mich ist das alles sehr schwierig, weil ich alt bin, und weil ich nicht genug Geld habe, um für alle Kinder zu sorgen", klagt Mzothwa. Sie lebt von 400 Rand Rente und 300 Rand an monatlichen Zuwendungen ihrer Tochter. Von der örtlichen Krankenpflegestation erhält sie das Nötigste: Trockenmilch für die Säuglinge, Arzneien und Nahrungsmittel.

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