New York, 4. September (AFP) - Beim Millenniumsgipfel der Vereinten Nationen treffen sich ab Mittwoch in New York die Staats- und Regierungschefs von rund 160 Ländern. Die Vertreter verbündeter wie verfeindeter Staaten wollen drei Tage lang nicht nur über die altbekannten UN-Themen wie die Friedenssicherung, den Kampf gegen die Armut oder die Immunschwächekrankheit Aids sprechen. Auch Probleme der Informationsgesellschaft stehen auf der Tagesordnung am Sitz der Organisation in New York. Nach dem Wunsch der Vize-UN-Generalsekretärin Louise Fréchette soll die Zusammenkunft "kein Gala-Gipfel", sondern ein Arbeitstreffen werden. Die Vertreter der Länder sollen in vier Arbeitsgruppen über die Ziele der Weltgemeinschaft in den kommenden 15 Jahre debattieren, die UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgestellt hat.
Schlagzeilen werden aber vermutlich eher die Nahost-Friedensverhandlungen und das Treffen von US-Präsident Bill Clinton mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin machen. Clinton bleiben nur noch wenige Monate im Amt, und bis dahin will er unbedingt ein Friedensabkommen im Nahen Osten erreichen. Am Rande des Gipfels trifft er sich deshalb mit dem israelischen Regierungschef Ehud Barak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat. Israel und die Palästinenser haben sich als Frist für ein Abkommen über den Status eines künftigen Palästinenserstaates den 13. September gesetzt. An diesem Tag will Arafat notfalls einseitig einen eigenen Staat ausrufen - er hat aber auch schon Kompromissbereitschaft angedeutet.
Für den US-Prädident ist der Gipfel zugleich die letzte Gelegenheit, auf internationalen Parkett zu glänzen. Sein russischer Kollege Wladimir Putin dagegen feiert seine UN-Premiere als Staatsoberhaupt. Dass Clinton ihn und Chinas Präsident Jiang Zemin in New York treffen wird, mag seine Entscheidung erleichtert haben, den Beschluss über einen nationalen Raketenabwehrschild der USA zu vertagen. Moskau und Peking zählen zu den schärfsten Kritikern der Washingtoner Neuauflage vom "Krieg der Sterne".
Clinton wird bei dem Gipfel weiteren Staats- und Regierungschefs aus Ländern begegnen, zu denen die USA nicht gerade entspannte Beziehungen unterhalten: Kubas Präsident Fidel Castro hat sich angesagt, Irak schickt Vize-Regierungschef Tarik Asis. Washington hoffe, dass bei solchen Anlässen "Diktatoren mit Staatschefs der freien Welt in Kontakt" kämen und letztere "demokratischen Einfluss" ausüben könnten, erklärte dazu das US-Außenministerium.
Auch für die Festigung erfolgreich eingeleiteter Friedensprozesse könnte der Gipfel dienlich sein: In New York treffen zum Beispiel der eritreische Präsident Issaias Afeworki und der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi zusammen, rund zweieinhalb Monate, nachdem die beiden Länder einen Waffenstillstand schlossen. Südkoreas Staatschef Kim Dae Jung wollte sich in den USA gerne ein weiteres Mal mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il treffen. Doch dieser wird nicht anreisen, weil er als Staatsoberhaupt international nicht anerkannt ist. Auch der vom UN-Kriegsverbrechertribunal angeklagte jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic zieht es vor, zuhause zu bleiben.
Zum Schutz der Staatsdelegationen hat die Stadt New York ein Großaufgebot von 6000 Polizisten mobilisiert. Nach Angaben von Bürgermeister Rudolph Giuliani stehen aber noch weitere 41.000 Beamte zur Verstärkung zur Verfügung. Der Einsatz kostet die Stadt umgerechnet mehr als 16 Millionen Mark. Nach Angaben Giulianis wurden bislang 91 Demonstrationen während des Gipfels angemeldet. Viele Menschenrechtler wollten vor allem gegen Irans Präsident Mohammed Chatami und Chinas Staatschef Jiang protestieren.
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