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Südafrika/Aids/Medizin/: Mandela fordert schnelles Handeln gegen Aids - Politische Brisanz durch Chirac und Mbeki

Agence France-Presse - Juli,14 2000

Durban, 14. Juli (AFP) - Mit einem Appell des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela zur Eile im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit ist die 13. Welt-Aids-Konferenz in Durban zu Ende gegangen. Aids sei eine der "größten Bedrohungen" in der Geschichte der Menschheit, sagte Mandela am Freitag in der südafrikanischen Hafenstadt. Der 81-Jährige wandte sich gegen Ausgrenzung von Aidskranken. Die sechstägige Konferenz hatte durch einen Vorstoß von Südafrikas Präsident Thabo Mbeki und eine Initiative des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac an Brisanz gewonnen. Mbeki sah sich zum Abschluss der Kritik Mandelas ausgesetzt. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Ausbreitung der tödlichen Immunschwächekrankheit in der so genannten Dritten Welt.

Mandela verwies zum Abschluss darauf, dass in auf dem afrikanischen Kontinent durch die Verbreitung des HI-Virus' gegenwärtig eine "Tragödie beispiellosen Ausmaßes" im Gange sei. Dem müsse mit einer Aktion ebenso "beispielloser Intensität" begegnet werden, forderte er und rief die Regierungen der Industrieländer auf, "jeden übrigen Cent" zu spenden. In Afrika würden mehr Menschen durch Aids getötet als durch "Kriege, Hungersnöte, Überschwemmungen und Malaria zusammen". Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac hatte bei der Konferenz einen Solidaritätsfond vorgeschlagen.

Im Verlauf der Tagung hatten die politischen Fragen gegenüber wissenschaftlichen Themen deutlich an Gewicht gewonnen. Brisanz hatte die Konferenz besonders dadurch bekommen, dass Mbeki die alleinige Verantwortung des HI-Virus' für Aids in Frage gestellt hatte. Zudem hatte sich das Staatsoberhaupt weiterhin geweigert, stark verbilligte oder kostenlose Medikamente für infizierte schwangere Frauen bereit zu stellen. Mit dem Medikament AZT könnte das Infektionsrisiko für Embryos aber um mehr als die Hälfte gesenkt werden.

In Anspielung auf die Äußerungen Mbekis sagte Mandela, die dadurch ausgelöste Auseinandersetzung habe "unabsichtlich von den wirklich entscheidenden Fragen" abgelenkt. Außerdem wandten sich in der von rund 5000 Konferenzteilnehmern unterzeichneten "Durban-Erklärung" internationale Forscher gegen Mbekis Äußerungen. Mandela wies zudem auf die Stigmatisierung von Aidskranken und HIV-Infizierten hin. "Diese Menschen brauchen keine Ausgrenzung, sie wollen Zuneigung", sagte Mandela. Waisenkinder, deren Eltern an Aids gestorben seien, und betroffene Familien bräuchten eine "unterstützende Umgebung".

Mehr als 90 Prozent der weltweit mehr als 34 Millionen HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern. Allein in Schwarzafrika tragen 24,5 Millionen Menschen den Aids-Erreger in sich, was 70 Prozent der weltweiten Infektionsrate entspricht. Rund 19 Millionen Menschen starben bereits an der Krankheit. Im Jahr 2010 könnte es nach UN-Angaben bereits 44 Millionen so genannte Aids-Waisen geben. Der internationale Aids-Kongress mit rund 11.000 Wissenschaftlern aus aller Welt fand erstmals in einem Entwicklungsland statt. Die nächste derartige Konferenz soll 2002 in Barcelona abgehalten werden.

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