Durban, 11. Juli (AFP) - Für Kranke sind sie ein Segen: Gefährten, die Gesellschaft leisten und soziale Kontakte ermöglichen. Aber mehr als alle anderen Kranken haben HIV-Infizierte und Aids-Patienten die Erfahrung gemacht, dass Verwandte und Freunde plötzlich fernbleiben. Häufig genug aus der unbegründeten Angst, sich selbst anzustecken. Die Organisation PAWS ist der Meinung, dass es Abhilfe gibt: Wenn die Menschen ausbleiben, dann sind Tiere immer noch treu. Auf der seit Sonntag stattfindenden Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban macht die Gruppe aus den USA deshalb auf die wohltuende Wirkung von Haustieren als Begleiter aufmerksam. Ihr Name ist Programm. Die Abkürzung steht für "Pets Are Wonderful Support". Auf deutsch: "Haustiere sind eine wundervolle Unterstützung". Und "Paws" an sich bedeutet "Pfoten" - die manchem Aids-Kranken angeblich schon das Leben gerettet haben.
Gegründet wurde die Initiative 1989 in San Francisco. Die kalifornische Metropole mit ihrer großen Schwulengemeinde war einer der ersten Städte, die Erfahrung mit Aids-Kranken sammelte. "Wenn die Leute dich nicht mehr berühren wollen, ist es von einiger Bedeutung, dass dein Hund immer mit dir schmusen will", heißt es in einer der Broschüren, die PAWS in Durban verteilt. "Wenn deine Freunde und Verwandte nicht mehr kommen, kann die Katze immer noch dein bester Freund und Vertrauter sein." Also bietet die Gruppe Aids-Kranken einen kostenlosen Haustier-Service an, stellt Futter bereit, übernimmt Spaziergänge und Beratung. Zugleich kämpft sie gegen die vorherrschende Meinung, dass sich Menschen mit einem geschwächtem Immunsystem von ihren Tieren trennen müssen, um der Übertragung von Krankheiten vorzubeugen.
"Für die Moral und Motivation von Kranken sind Tiere von unschätzbarem Wert", weiß die Tierärztin Stephanie Wong. Sie ist ehrenamtlich bei PAWS tätig. Vor allem für HIV-Infizierten und Aids-Kranken ohne Kinder seien die Tiere ein emotionaler Halt. Als Beispiel erzählt sie die Geschichte eines einsamen Patienten, der in seiner Depression kurz vor dem Selbstmord stand. In letzter Minute habe er sich dann von seinem Hund abbringen lassen. "Plötzlich hat er sich überlegt, wer sich um seinen Hund kümmert, wenn er nicht mehr da ist."
Wong verweist auch darauf, dass Haustiere ihren Besitzern bedingungslose Liebe schenken, was gerade bei Aids-Kranken dringend erforderlich sei. Zudem gehe es Aids-Kranken wie anderen Hundehaltern. Beim regelmäßigen Spazierengehen im Freien sei es halt besonders einfach, soziale Kontakte mit anderen Tierfreunden zu knüpfen. Das Halten von Hunden, Katzen und Vögeln unterstützt PAWS ohne Einschränkung. Zwar könnten auch Vögel eine Lungenkrankheit übertragen, doch sei der Nutzen größer als das Risiko. Bei Reptilien dagegen sei das Risiko der Salmonellenübertragung zu groß, warnt PAWS. Und exotische Tiere seien zu schwierig in der Pflege.
Mittlerweile hat die Organisation zwischen 20 und 30 Ableger - nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien und Australien. "In ärmeren Ländern, wo Haustiere ein Luxus sind, ist unser Anliegen natürlich schwieriger zu vermitteln", sagt Wong. In manchen Ländern dächten die Leute bei einem Hund auch eher an eine leckere Mahlzeit als an einen treuen Gefährten. "Wir haben aber auch von Asien und Afrika Anfragen bekommen", sagt die Tierärztin. Für Afrika hat PAWS sogar schon Richtlinien aufgestellt, wie Farmtiere für HIV-Infizierte und Aids-Kranke treue Begleiter werden können.
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