Durban, 10. Juli (AFP) - Der französische Präsident Jacques Chirac hat bei der Welt-Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban die Einrichtung eines weltweiten Solidaritätsfonds für die Therapie von HIV-Infizierten in Entwicklungsländern vorgeschlagen. In seinem am Montag verlesenen Grußwort regte er bei den Konferenzteilnehmern an, Entwicklungsländer, Geldgeber, regierungsunabhängige Organisationen und Laboratorien an einen Tisch zu bringen. Zusammen sollten sie die Versorgung von ärmeren Patienten mit den bisher sehr teuren Medikamenten gegen die noch tödliche Immunschwächekrankheit sicher stellen. Der erste internationle Aids-Kongress in einem Entwicklungsland war am Sonntagabend unter dem Motto "Das Schweigen brechen" vom südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki eröffnet worden.
Die französische Staatssekretärin im Gesundheitsministerium, Dominique Gillot, zitierte weiter aus Chiracs Brief, der Präsident wolle beim kommenden Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) im japanischen Okinawa die Partner Frankreichs um Unterstützung für einen Aids-Solidaritätsfonds bitten.
Zu Beginn der Konferenz legten Angaben der Organisatoren zufolge 11.000 Wissenschaftler, Ärzte, Politiker und HIV-Infizierte aus mehreren dutzend Ländern eine Schweigeminute für die 18,8 Millionen Menschen ein, die weltweit seit der Aubreitung der Seuche vor fast 20 Jahren an Aids starben. Höhepunkt der Eröffnungszeremonie war die bewegende Ansprache eines elfjährigen südafrikanischen Jungen, der HIV-positiv ist und dessen Mutter an Aids starb. "Die Menschen müssen nur Angst vor mir haben, wenn ich eine offene Wunde habe", sagte er unter dem Applaus der Zuhörer.
In seiner Eröffnungsrede hatte der südafrikanische Präsident Thabo Mbeki am Sonntagabend zu einem "Krieg an allen Fronten" aufgerufen, um für alle das Recht auf Gesundheit zu garantieren. Er wiederholte seine umstrittene These, nicht nur der HI-Virus verursache Aids sondern die Armut. Bereits im April hatte der Staatschef des Gastgeberlandes, das Wissenschaftler wegen seiner besonders nachlässigen Anti-Aids-Politik kritisieren, international für Irritation gesorgt. Gegen seine Äußerung, die westliche Schulmedizin verkenne die wahren Gründe der Krankheit, liefen mehr als 5000 Forscher und Ärzte Sturm. In der "Durban-Erklärung" wandten sie sich entschieden gegen die so genannten Aids-Dissidenten.
Kurz vor der offiziellen Eröffnung des sechstägigen Treffens gab es am Sonntagabend schon die ersten Proteste. Demonstranten warfen besonders westlichen Pharmakonzernen vor, den eigenen Profit über das Leben der Kranken zu stellen. Bis heute gibt es immer noch keinen Impfstoff gegen das tödliche Virus. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen ist es in einigen Entwicklungsländern bereits gelungen, billigere Nachahmerpräparate von teuren Medikamenten mit derselben Wirkung zu produzieren. Allein in Schwarzafrika tragen 24,5 Millionen Menschen den Aids-Erreger in sich, was 70 Prozent der weltweiten Infektionsrate entspricht. Nach Ansicht der UNO sind zur Bekämpfung der Immunschwächekrankheit in ganz Afrika jährlich umgerechnet rund sechs Milliarden Mark nötig. Damit muss das Zehnfache vom bisherigen Betrag investiert werden, wie der Leiter des UN-Programms UNAIDS, Peter Piot, sagte.
000710
AF000767_DE
© Agence France-Presse 2000. Der Inhalt dieser Seiten ist urheberrechtlich geschützt. Die Nachrichten sind nur für die persönliche Information bestimmt. Jede weitergehende Verwendung, insbesondere die Speicherung in Datenbanken, Veröffentlichung, Vervielfältigung und jede Form von gewerblicher Nutzung sowie die Weitergabe an Dritte - auch in Teilen oder in überarbeiteter Form - ohne Zustimmung von AFP Agence France-Presse sind untersagt. http://www.afp.com/