Berlin, 7. Juli (AFP) - Angesichts der explosionsartigen Ausbreitung von Aids in Teilen Afrikas hat Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) an die Regierungen der Entwicklungsländer appelliert, Aids zur "Chefsache" zu machen und die Tabuisierung der Krankheit zu durchbrechen. Aufklärung könne nur zum Erfolg führen, wenn sie aktiv von Politikern und Regierungschefs unterstützt wird, erklärte die Ministerin am Freitag in Berlin im Vorfeld der Welt-Aids-Konferenz. Aids sei nicht nur eine Katastrophe für viele Menschen, sondern auch ein "wirtschaftliches und soziales Desaster" für die betroffenen Länder. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) forderte unterdessen deutsche Wissenschaftler auf, sich stärker am EU-Forschungsprogramm zu Infektionskrankheiten zu beteiligen und ihre Kompetenz bei der HIV-Therapie und -Prävention einzubringen.
Wieczorek-Zeul betonte, in einigen Staaten habe Aids bereits die Entwicklungsfortschritte der vergangenen 30 Jahre zunichte gemacht. So sei die Lebenserwartung in Sambia von 56 auf 37 Jahre gesunken. Ähnliches gelte für Länder wie Botswana, Kenia, Mosamik und Südafrika. Nach Angaben Wieczorek-Zeuls stellt die Bundesregierung für die Aids-Bekämpfung in diesem Jahr in der bilateralen Zusammenarbeit mehr als 100 Millionen Mark bereit. Damit werden unter anderem die Subventionierung von Kondomen und Aufklärungskampagnen unterstützt. Als Beispiele für eine erfolgreiche nationale und internationale Zusammenarbeit und Prävention nannte die Ministerin Uganda, wo die Infektionsrate von 14 Prozent Anfang der neunziger Jahre auf 8,3 Prozent sank.
Bulmahn erklärte in Berlin, in Deutschland habe sich eine "international konkurrenzfähige Aidsforschung" etabliert. Die Bundesregierung unterstütze allein die Entwicklung eines Impfstoffes und den Ausbau der klinischen Forschung, die die Voraussetzung für die Erprobung neuer Medikamente ist, in den kommenden fünf Jahren mit 120 Millionen Mark.
Im südafrikanischen Durban treffen sich am Sonntag Forscher, Ärzte und Experten zur 13. Welt-Aids-Konferenz. Über 90 Prozent der derzeit weltweit 34 Millionen Menschen mit HIV und Aids leben in den so genannten Entwicklungsländern, über 70 Prozent allein im südlichen Afrika. Im vergangenen Jahr starben weltweit rund 2,8 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit.
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