Berlin, 7. Juli (AFP) - Im Vorfeld der am Sonntag in Durban beginnenden Welt-Aids-Konferenz sorgte der Präsident des Gastgeberlandes Südafrika, Thabo Mbeki, mit der These für Irritation, die angeblich wahren Gründe für die Immunschwächekrankheit würden von der westlichen Medizin verkannt. Dagegen liefen mehr als 5000 Forscher und Ärzte Sturm. In der so genannten "Durban-Erklärung" wandten sie sich entschieden gegen eine Minderheit, die seit Jahren leugnet, dass das HI-Virus verantwortlich für Aids ist. Die so genannten Aids-Dissidenten bestreiten seit Jahren einen Zusammenhang zwischen HIV und Aids. Die Kritik der Dissidenten, die es auch in Deutschland gibt, basiert auf einer Theorie des US-Virologen Peter Duesberg, der an der Universität von Kalifornien in Berkeley arbeitet und seit fast 30 Jahren über Retroviren forscht, zu denen auch HIV gehört.
In zahlreichen Vorträgen und Veranstaltungen stellte Duesberg seit 1987 immer wieder einen kausalen Zusammenhang zwischen Aids und HIV in Frage. Vielmehr behaupten er und seine Anhänger, dass die Immunschwäche durch verschiedene Kofaktoren ausgelöst wird wie massiver Drogenkonsum, verbunden mit ausschweifenden Sexualpraktiken und Promiskuität. Auch die Behandlung mit dem Anti-Virus-Medikament AZT und die übermäßige Einnahme von Antibiotika seien für die Krankheit verantwortlich. Die erdrückenden Zahlen über Aids in Afrika erklärt er mit Mangelernährung, fehlender Hygiene und Armut. Seine Thesen begründet Duesberg unter anderem damit, dass das Virus in einigen Fällen bei Aids-Kranken nicht nachgewiesen worden sei.
Inzwischen ist in der so genannten alternativen AIDS-Gemeinschaft sogar die Debatte darüber entbrannt, ob HIV überhaupt existiert. Während Duesberg weiterhin erklärt, dass HIV zwar existiere aber harmlos sei, ist etwa eine Gruppe um die australische Forscherin Eleni Papadopulos-Eleopulos der Ansicht, dass es keinen Nachweis für die Existenz eines einzigartigen, von außen erworbenen Retrovirus HIV gibt und auch nicht dafür, dass die HIV-Antikörper-Tests eine HIV-Infektion anzeigen.
Experten wie Georg Pauli vom renommierten Berliner Robert-Koch-Institut sehen hingegen "keine Grundlage" für die Theorie der "Duesbergianer". Der Erklärung, es gebe Krankheitsfälle ohne Nachweis des HI-Virus, hält er entgegen, dass es durchaus Krankheitsbilder etwa bei einer Maserninfektion gibt, die zunächst wie Aids aussähen, aber letztlich nicht HIV-bedingt seien. Zudem würde ein Teil der HIV-Infektionen einfach nicht diagnostiziert. Umgekehrt leide aber jeder, der das HI-Virus in sich trage, "irgendwann" an der Immunschwäche.
Auch in der "Erklärung von Durban" stellten Aids-Experten eindeutig klar, dass HIV als Ursache von Aids nachgewiesen sei, wenngleich wie bei anderen chronischen Infektionen das Erkrankungsrisiko von verschiedenen Faktoren abhängig ist. So neigten Unterernährte oder ältere Menschen, die bereits an anderen Infektionen leiden, dazu, anfälliger für eine schnelle Ausbildung von Aids als Folge einer HIV-Infektion zu sein. Keiner dieser Faktoren schmälere jedoch die wissenschaftlichen Beweise, dass HIV die alleinige Ursache der Aids-Epidemie ist.
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