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Südafrika/Aids/Medizin/ZF: Welt-Aids-Konferenz erstmals in Entwicklungsland - Wissenschaftler, Ärzte und Kranke treffen sich in Durban

Agence France-Presse - Juli,9 2000

Durban, 9. Juli (AFP) - Zur ersten Welt-Aids-Konferenz in einem Entwicklungsland sind am Sonntag im südafrikanischen Durban Wissenschaftler, Ärzte, Politiker und HIV-Infizierte aus mehreren dutzend Ländern zusammengekommen. Insgesamt werden 11.000 Teilnehmer dazu erwartet. Die bisherigen zwölf Welt-Aids-Konferenzen hatten stets in industrialisierten Staaten stattgefunden. Im Mittelpunkt des sechstägigen Treffens steht die Ausbreitung von Aids in der so genannten Dritten Welt, wobei Afrika am meisten unter der Immunschwächekrankeheit zu leiden hat. Kurz vor der offiziellen Eröffnung der Konferenz am Abend gab es schon die ersten Proteste. Dabei wurden insbesondere niedrigere Preise für die bislang sehr teueren Medikamente verlangt.

Seit der Ausbreitung von Aids vor fast 20 Jahren sind nach Angaben des UN-Programms UNAIDS weltweit mindestens 18,8 Millionen Menschen daran gestorben. Nach Angaben von Nicht-Regierungsorganisationen können sich nur fünf Prozent der weltweit offiziell 34,3 Millionen mit dem aidserregenden HI-Virus Infizierten eine Therapie leisten. Sie werfen besonders westlichen Pharmakonzernen vor, den eigenen Profit über das Leben der Kranken zustellen. Bis heute ist die tödliche Krankheit nicht heilbar. Auch gibt es immer noch keinen Impfstoff gegen das Virus.

Mit Spannung wurde die Eröffnungsrede des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki erwartet. Vor der Konferenz hatte der Staatschef des Gastgeberlandes, das Wissenschaftler wegen seiner besonders nachlässigen Anti-Aids-Politik kritisieren, international für Irritation gesorgt. Er vertrat die These, die angeblich wahren Gründe für die Immunschwächekrankheit würden von der westlichen Schulmedizin verkannt. Dagegen liefen mehr als 5000 Forscher und Ärzte Sturm.

In der "Durban-Erklärung" wandten sie sich entschieden gegen die so genannten Aids-Dissidenten, die seit Jahren nicht das HI-Virus als Ursache für Aids betrachten, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren wie Armut, Mangelernährung, fehlende Hygiene, Drogenkonsum und ausschweifenden Sexualpraktiken. Diese Theorie stammt von dem umstrittenen US-Virologen Peter Duesberg von der Universität von Kalifornien in Berkeley, der seit fast 30 Jahren über Retroviren forscht, zu denen auch HIV gehört.

Mehr als 90 Prozent aller weltweit HIV-Infizierten leben in Entwicklungsländern, wie der Vorsitzende der Konferenz, der südafrikanische Wissenschaftler Hoosen Coovadia, mitteilte. Allein in Schwarzafrika tragen 24,5 Millionen Menschen den Aids-Erreger in sich, was 70 Prozent der weltweiten Infektionsrate entspricht. Südafrika zählt mit 4,2 Millionen Infizierten zu den von Aids am schlimmsten betroffenen Ländern der Erde. In Botswana leiden mehr als ein Drittel aller Erwachsenen an einer HIV-Infektion. In Simbabwe sank in Folge von Aids die durchschnittliche Lebenserwartung von 65 auf 39 Jahre. In Afrika sind vor allem junge Frauen von dem tödlichen Virus befallen. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF leben dort 95 Prozent der weltweit 13 Millionen Aids-Waisen.

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