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Britannien/Pharma/Firmen/ÜS: GlaxoWellcome und SmithKline Beecham bilden neuen Pharmariesen - Mit 358 Milliarden Mark Börsenwert an die Weltspitze


Agence France-Presse - Januar 17, 2000


London, 17. Januar (AFP) - Die britischen Pharmakonzerne GlaxoWellcome und SmithKline Beecham schließen sich zum neuen Weltmarktführer zusammen. Wie die Unternehmen am Montag in London mitteilten, soll die Fusion im Sommer per Aktientausch vollzogen werden, nachdem ein erster Anlauf vor zwei Jahren gescheitert war. Die Konzerne kommen auf einen Börsenwert von 114 Milliarden Pfund Sterling (knapp 358 Milliarden Mark), auf umgerechnet 47,5 Milliarden Mark Jahresumsatz und mehr als 100.000 Mitarbeiter weltweit. Sie können auf zahlreiche absatzstarke Marken zählen, darunter marktführende Medikamente gegen Migräne, Asthma und Aids. Auch mit ihren Laboratorien und einem Weltmarktanteil von 7,3 Prozent liegen die Firmen weit vor den bisherigen Branchenführern Aventis, AstraZeneca und Merck sowie vor dem noch verhandelten Zusammenschluss der Großkonzerne Warner-Lambert/Pfizer.

Die Verschmelzung soll Glaxo und SmithKline Einsparungen von rund einer Milliarde Pfund (3,14 Milliarden Mark) binnen drei Jahren ermöglichen, wobei die in Forschung und Entwicklung eingesparten Gelder umgehend reinvestiert werden sollen. Befürchtungen von Gewerkschaften und Presseberichte, wonach im Zuge des Zusammenschlusses mindestens 15.000 Stellen wegfallen sollen, wiesen die Konzerne zurück. Ein Arbeitsplatzabbau sei zwar grundsätzlich nicht zu umgehen; alle wichtigen Forschungs- und Entwicklungsstätten blieben aber auch in Zukunft erhalten, betonten GlaxoWellcome und SmithKline Beecham.

Die Glaxo-Anteilseigner werden einen Glaxo-SmithKline-Anteilsschein für jede eigene Aktie erhalten und damit schließlich 58,75 Prozent des neuen Konzerns kontrollieren. Die SmithKline-Aktionäre bekommen 0,4552 neue Aktien je Anteilsschein und damit einen Anteil von 41,25 Prozent. An der Spitze des kommenden Branchenprimus' wird Glaxo-Chef Richard Sykes stehen, die Geschäfte führt am Sommer der Franzose Jean-Pierre Garnier von SmithKline Beecham. Die Unternehmen sprachen von einem `Zusammenschluss unter Gleichen". Die EU-Kommission in Brüssel kündigte eine wettbewerbsrechtliche Prüfung an, Garnier äußerte sich jedoch zuversichtlich, diese ohne Abstriche zu bestehen.

Anfang 1998 waren erste Fusionsverhandlungen an `unüberbrückbaren Differenzen" in der Frage der Unternehmensführung gescheitert. Nach der Ankündigung von SmithKline-Chef Jan Leschly vom Dezember, er werde sich im April vorzeitig aus der Unternehmensspitze zurückziehen, hatten sich die Spekulationen über eine Fusion wieder verdichtet.

Verwaltungssitz von Glaxo SmithKline wird London sein, die Geschäfte sollen aber von den USA aus geführt werden. Die Aktien sollen an den Börsen in London und New York gehandelt werden. Die Firmen betonten, sie seien führend in den wichtigsten Pharmakategorien: bei Infektionen, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Atemwegserkrankungen und Vitaminpräparaten. Bei Impfstoffen sei man auf dem Weg in die Weltspitze. Beide setzen auch auf rezeptfreie Ware wie Anti-Raucher-Pflaster oder Gesundheitsdrinks.

Die Fusionsankündigung folgt auf eine Reihe spektakulärer Firmenzusammenschlüsse in der Branche und dürfte nach Einschätzung von Analysten angesichts immer höherer Entwicklungskosten einen weiteren Konzentrationsprozess nach sich ziehen. Erst vergangene Woche hatten die US-Konzerne Warner-Lambert und Pfizer angekündigt, über ein Zusammengehen zu verhandeln. Damit hatte Warner-Lambert den laufenden Fusionsplänen mit dem Konkurrenten American Home Products eine Absage erteilt.

Die Börse in London quittierte die Fusionsnachricht von Glaxo und SmithKline zunächst mit einem Kursanstieg, beide Papiere drehten dann jedoch kräftig ins Minus. Händler und Analysten erläuterten, die sich abzeichnende Fusion sei bereits seit längerem im Kurs enthalten; sie Märkte hätten sich indessen höhere Einsparungen erhofft.

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