Straßburg, 28. Juli (AFP) - Insekten sind außergewöhnlich widerstandsfähig gegen Infektionen durch Pilze und Bakterien - und dies könnte schon bald dem Menschen zugute kommen. Davon ist zumindest ein Straßburger Forscherteam überzeugt, das mit Hilfe von Käfern und Fliegen nach neuen Antibiotika sucht. `Viele Patienten können heute mit herkömmlichen Antibiotika nicht mehr geheilt werden - etwa Aids-Kranke oder andere Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem", erläutert Jean-Luc Dimarcq, wissenschaftlicher Leiter des Forschungslabors Entomed. An diesem Labor sind auch der französische Pharmariese Rhone-Poulenc und das auf Gentechnik spezialisierte Unternehmen Oxford Bioscience beteiligt. Für das seit Januar laufende Projekt haben sie insgesamt zehn Millionen Franc (knapp drei Millionen Mark) zur Verfügung gestellt.
Ziel ist es, mit Hilfe von Insekten neue Antibiotika zu gewinnen, gegen die Menschen noch nicht resistent sind. Wichtige Vorarbeit hat dazu der Leiter des Instituts für Molekularbiologie an der Straßburger Louis-Pasteur-Universität, Jules Hoffmann, geleistet. Er erforscht seit Jahren das Immunsystem von Mücken, Käfern, Fliegen und Schmetterlingen. Hoffmann gelang es, aus der Hemolymphe der Insekten - die Flüssigkeit, die dem Blut von Säugetieren entspricht - kleine Proteine zu isolieren, denen die Tierchen offenbar ihre ungewöhnliche Widerstandskraft verdanken.
"Diese Proteine haben eine enorme Fähigkeit, die Membranen von Aggressoren - Pilzen oder Bakterien - zu zerstören", erläutert Dimarcq. Mit seinem Team versucht er daher, aus dieser Insektensubstanz neue Heilmittel herzustellen. Dimarcq rechnet damit, in etwa drei Jahren mit den klinischen Tests beginnen zu können. Dabei soll untersucht werden, ob die Insekten-Proteine auch das menschliche Immunsystem stärken können.
Die Zeit drängt. Denn zahlreiche Infektionen sind heute mit traditionellen Antibiotika nicht mehr zu stoppen. Dies gilt vor allem für Pilze und bestimmte Bakterien, mit denen sich vor allem Patienten im Krankenhaus infizieren: Normalerweise setzt sich der menschliche Organismus mit Erfolg gegen diese Angreifer zur Wehr. Für Menschen mit geschwächtem Immunsystem aber verlaufen solche Infektionen oft tödlich - für alte Leute und Frühgeborene etwa, Krebskranke während der Chemotherapie, Transplantations-Patienten oder Aids-Kranke. `Die herkömmlichen Therapien schlagen bei diesen Patienten meist nicht an. Die Todesrate liegt bei 50 Prozent", erläutert der französische Forscher.
Hinzu kommt, daß mittlerweile viele Bakterien und Pilze resistent gegen traditionelle Antibiotika geworden sind - möglicherweise eine Folge der zu häufigen Verabreichung der einst als Wundermittel gepriesenen Medikamente. `Dadurch wiederum wächst die Zahl der Infektionen", erklärt Dimarcq. So habe sich beispielsweise der Pilz Aspergillus, dessen Sporen sich durch die Luft verbreiten, mittlerweile in zahlreichen Krankenhäusern niedergelassen. Er sei gegen praktisch alle bekannten Desinfektionsmittel immun, so daß es kaum Mittel gebe, die Patienten vor Infektionen zu schützen. `Dies ist der Teufelskreis, den wir durchbrechen wollen."
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