Paris, 9. Juli (AFP) - Im Skandal um aidsverseuchte Blutpräparate in Frankreich sind neue Belege für schwere Versäumnisse der Behörden zu Tage getreten. Die Zeitung `Le Parisien" veröffentlichte am Freitag ein internes Papier aus dem Gesundheitsministerium, wonach die vor 1985 mit aidsverseuchten Präparaten behandelten Patienten absichtlich im Unklaren gelassen wurden. Die Zeitung zitiert aus einem Schreiben des damaligen Leiters der Gesundheitsbehörden, Jean-Francois Girard, an Gesundheitsminister Claude Evin aus dem Jahr 1989. Darin warnt Girard davor, die Betroffenen zu informieren, da sie sich zu einer `Interessengruppe zusammenschließen" und `vor Gericht ziehen" könnten.
Die Zahl der Betroffenen, die nicht informiert wurden, schätzte der Arzt auf rund 3600 Patienten. Der Vorsitzende des Verbandes der Transfusionsopfer, Olivier Duplessis, nannte die Argumentation Girards `unmoralisch und zynisch". Nun seien die wahren Beweggründe für die Verschleierungstaktik der Behörden klar. Schätzungen zufolge wurden zwischen 1980 und 1985 in Frankreich mehrere tausend Patienten mit aidsverseuchten Blutpräparaten infiziert, mehrere hundert sind inzwischen an der Immunschwächekrankheit gestorben. Offiziell informiert wurden die Betroffenen erst 1992.
Angelastet wurde diese Verschleierungstaktik unter anderen dem früheren Gesundheitstaatsekretär Edmond Herve, der im März verurteilt wurde. Freigesprochen wurden in diesem Prozeß hingegen der frühere Premierminister Laurent Fabius und die damalige Sozialministerin Georgina Dufoix. Sie waren beschuldigt worden, die Einführung von US-Aidstests für Blutspender verzögert zu haben, um ein französisches Laboratorium zu begünstigen.
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